Chronische Hyperventilation – „Angstatmung“

Die chronische Hyperventilation ist weit verbreitet. Die Betroffenen wissen meist nicht, dass sie hyperventilieren und dass darauf viele ihrer Beschwerden zurückzuführen sind. Hierzu gehören z.B. Angst und Panikattacken, Schwindel, Kurzatmigkeit, Enge in der Brust und das Gefühl der Luftnot, ständige Aufgeregtheit und Erschöpfung.

„Chronische Hyperventilation ist uns nicht bewusst, weil wir nichts anderes mehr kennen. Sie beginnt als „Angstatmung“ und wird später zur Gewohnheit.“

Was ist Hyperventilation?

Man unterscheidet zwei Arten der Hyperventilation:

  • das akute Hyperventilationssyndrom, das anfallsartig auftritt und mit Muskelkrämpfen einhergeht und
  • das chronische Hyperventilationssyndrom, welches auch mit akuten Anfällen einhergehen kann.

Eine Hyperventilation ist eine Störung der Atemregulation. Stress und starke Emotionen wie Erregung, Wut, Angst und Panik z.B. können zu einer beschleunigten oder vertieften Atmung führen.

Die vermehrte Atmung führt jedoch nicht zu einer Mehraufnahme von Sauerstoff im Körper, da die Sättigung des Blutes mit Sauerstoff schon bei normaler Atmung etwa 97 % beträgt. Allerdings kommt es zur vermehrten Abatmung des im Körper entstehenden Kohlendioxids (CO2). Eine gewisse Konzentration von Co2 im Blut ist aber wichtig, damit die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff gut funktioniert.

Folge sind eine Verengung der Hirngefäße und zusätzlich  ein erschwerter Transport des Sauerstoffs in den gesamten Körper. Zudem begünstigt ein niedriger CO2 Spiegel eine Verkrampfung der glatten Muskeln der Blutgefäßwände, der Bronchiolen, des Darms sowie in der Blase.

Es kommt zu dem Gefühl, „nicht genügend Luft zu bekommen“, was gewöhnlich mit einem Angstgefühl verbunden ist. Diese mehr oder weniger unbewussten Empfindungen veranlassen sie wiederum schneller oder tiefer zu atmen. Es kommt zu einem sich selbst verstärkernden Kreislauf.

Chronische Hyperventilation

Bei der chronischen Hyperventilation atmen die Betroffenen dauerhaft schneller und/oder tiefer, als es den körperlichen Bedürfnissen entspricht und sind sich dessen normalerweise nicht bewusst.

Eine verstärkte Atmung über einen längeren Zeitraum (chronische Hyperventilation oder Überatmung) bringt den den Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht. Dies liegt vor allem an dem durch das „Überatmen“ verursachten Verlust des Kohlendioxids im Blut.

Je geringer der Anteil des Kohlendioxyds im Blut wird, desto schlechter trennt sich der Sauerstoff von seinem Träger, dem Hämoglobin. Hierdurch steht den Zellen letztlich weniger Sauerstoff zur Verfügung. Dies ist der sogenannte »Bohr-Effekt«. Wir empfinden ein Gefühl von Atemnot und/oder Kurzatmigkeit.

Der CO2 Spiegel ist dauerhaft erniedrigt und der Körper reagiert sehr empfindlich auf jede weitere Abatmung von CO2.

Häufig ist Hyperventilation zudem mit Mundatmung verbunden, denn durch den offenen Mund kann man schneller nach Luft schnappen als durch die Nase.

Symptome der chronischen Hyperventilation – falscher Erstickungsalarm

Bei den Betroffenen kommt es zu einer Überatmung, die ihnen nicht bewusst ist. Sie klagen dennoch über starke Luftnot, den Zwang, tief einatmen zu müssen und ein Engegefühl über der Brust. Weitere mögliche Symptome können sein:

  • Gefühl der Luftnot, des Nicht-Durchatmen-Könnens
  • Kurzatmigkeit beim Sprechen, Treppensteigen … Schnappatmung
  • Engegefühl in der Brust bis zu Brustschmerzen
  • vermehrtes Gähnen , säufzen, Reizhusten
  • Gefühllosigkeit und Missempfindungen, „Ameisenlaufen“
  • Verkrampfungen der Hände und Lippen
  • Zittern und Muskelzuckungen
  • Schwindel, Benommenheit und Unwirklichkeitsgefühl. teilweise bis zur Synkope (plötzlicher Ohnmacht). Siehe Video: … Chronische Hyperventilation und die Folgen
  • Angst vor Kontrollverlust
  • Herzklopfen, Herzstechen sowie zusätzlichen Herzschläge
  • Verdauungsproblemen (Aufstoßen, Blähungen, Schluckstörungen, Reizdarmsyndrom)
  • Müdigkeit, Schlappheit, Erschöpfung und Schläfrigkeit
  • Ruhelosigkeit, Nervosität, Ängstlichkeit, vermindertes Selbstwertgefühl
  • Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit und Verwirrungsgefühl
  • Angespanntheit, Angstgefühle oder depressive Symptomatik
  • Panikstörungen (Panikattacken)
  • uvm.

Warum ist die chronische Hyperventilation schwer zu diagnostizieren?

Es ist für den Patienten schwer zu glauben, dass er möglicherweise zu viel Luft einatmet. Was er bemerkt, ist eher, dass er zu flach atmet, die Luft teilweise sogar anhält, eine verstopfte Nase hat, vermehrt seuftst oder gähnt.

Gerade Menschen, die Entspannungstechniken erlernt haben, habe sich antrainiert nicht nur tief in den Bauch, sondern fälschlicherweise auch zuviel Luft einzuatmen. Sie atmen oft nicht einmal zu schnell, sondern lediglich zu tief ein.

Behandlung von akuter und chronischer Hyperventilation

Akute Hyperventilation – Behandlung

Im Vordergrund der Behandlung einer akuten Hyperventilation steht eine Beruhigung des Betroffenen mit der Anleitung zu bewusst langsamer und verminderter Atmung.

Wenn dies in einem akuten Anfall aufgrund von Angst und Erregung zunächst nicht möglich ist, ist eine Rückatmung (in eine Plastik- oder Papiertüte) angezeigt. Durch das mehrmalige Ein- und Ausatmen der eigenen kohlenstoffdioxidhaltigen Atemluft steigt die CO2-Konzentration im Blut  wieder an, und die zuvor konstringierten (zusammengezogenen) Hirngefäße weiten sich wieder.

Chronische Hyperventilation / Hyperventilationssyndrom – Das Atemzentrum umtrainieren

Wird das chronische Hyperventilationssyndrom erst einmal erkannt, hat dies alleine einen sehr beruhigenden und entängstigenden Effekt. Komplexe Zusammenhänge werden klar und eine Therapie wird möglich.

Das chronische Hyperventilationssyndrom wird hauptsächlich durch psychotherapeutische Behandlung sowie mit Atemtherapie (z.B. die Buteyko-Methode) und Entspannungsverfahren behandelt.

Achtsamkeitsübungen und ein Körperbewusstseinstraining sind oft zunächst einmal die Voraussetzung, dass der Patient in der Lage ist, seine chronische Hyperventilation überhaupt zu bemerken und hilft gleichzeitig dabei gegenzusteuern.

Bei der Therapie geht es um eine Neujustierung des Atemzentrums im Gehirn, die schrittweise erfolgt. Ziel ist es immer sanfter, leichter, entspannter und weicher zu atmen und dass sich der Körper langsam daran gewöhnt, mit weniger Luft auszukommen. Dadurch wird der  Einatmungsreflex seltener auslöst und wir atmen somit permanent weniger.

Bedingung für eine dauerhafte Normalisierung der Atmung ist, das der Patient zuhause über einen gewissen Zeitraum regelmäßige Achtsamkeits- Atem- und Entspannungsübungen ausführt.