Hochsensible Kinder

Hochsensibilität bei Kindern, hochsensible Kinder

Hochsensible Kinder sind nicht nur empfindsam, zurückhaltend, schneller überfordert und haben Probleme mit Veränderungen. Sie sind auch wissensdurstig, unglaublich kreativ, phantasievoll und klug und bekommen unheimlich viel mit. Meist verfügen sie über außerordentliche Talente z.B im musikalischem oder künstlerischen Bereich.

Hochsensible Kinder erleben die Welt differenzierter und zugleich intensiver als andere Kinder. Bis zu 20 Prozent aller Kinder sind auf diese besondere Art hochsensibel und empfindsam.

Hochsensibilität im Alltag

Während meiner langjährigen Arbeit in Kindertagesstätten und Schulen, wurde mir immer wieder vor Augen geführt, wie stark unsere Kinder unzähligen Reizen und Sinneswahrnehmungen wie Geräuschen, einer Vielzahl von Farben, Bildern, Gerüchen, usw. ausgesetzt sind und damit überflutet werden. Ein übertriebener Medienkonsum und zu viele Freizeitaktivitäten bereiten den Kindern oft zusätzlich Stress.

Im Laufe unseres Lebens lernen wir nach und nach mit den vielen Umwelteindrücken umzugehen. Unser Gehirn blendet vieles ganz automatisch aus und wir lernen im Idealfall uns abzugrenzen. Kinder haben diesen Mechanismus noch nicht entwickelt und nehmen viel mehr Reize von außen auf.

Darauf reagieren hochsensible Kinder unterschiedlich. Manche ziehen sich eher zurück, sind ängstlich oder introvertiert und meiden aufregende Umgebungen. Andere werden aufgedreht und aggressiv und kommen kaum noch zur Ruhe. Vor allem in der lauten, unruhigen Umgebung des Kindergartens haben viele hochsensible Kinder Probleme mit der Aufmerksamkeit und Konzentration. Oft fällt dies aber auch erst später in der Grundschule auf.

Hochsensible Kinder haben es in dieser modernen Welt besonders schwer. Eine ständige Reizüberflutung wirkt sich negativ auf ihre Entwicklung aus.

Hochsensibles Nerven- und Wahrnehmungssystems

Bei Hochsensiblen Kindern ist die Wahrnehmung differenzierter und intensiver als dies durchschnittlich der Fall ist. Es gelangt eine Flut von Informationen ins Gehirn, die bei weniger sensiblen durch ein Filtersystem, das vor Überlastung schützen soll, reduziert wird.

Durch das Mehr an Informationen kann dadurch in kürzester Zeit die Umwelt differenzierter und intensiver wahrgenommenen werden. Zum Anderen führt das Überangebot an Reizen aber auch schneller zu Überreizung, Überlastung und Ermüdung von Körper und Seele. Daher brauchen besonders hochsensible Kinder häufig mehr Pausen und Möglichkeiten zum Rückzug.

Weitgehend unbekannt ist, dass viele Kinder, die die Diagnose AD(H)S erhalten, eigentlich hochsensitiv sind und von daher einfach nur auf bestimmte Weise wahrnehmen, lernen und im Kontakt mit anderen sind.

Ist mein Kind hochsensibel?

Mögliche Merkmale für Hochsensibilität bei Kindern können sein:

1. Das Kind ist sehr schreckhaft.
2. Es ist lärmempfindlich, lichtempfindlich, geruchsempfindlich und reagiert empfindlich auf kratzende Stoffe, Etiketten uä. und hat ein feines Geschmacksempfinden.
3. Nasse oder schmutzige Kleidung emfindet es als sehr unangenehm.
4. Das Kind reagiert auf Reizüberflutung mit Konzentrationsschwäche oder Rückzug.
5. Wenn das Kind überreizt ist oder zornig wird, kann es auch einmal sehr laut werden.
6. Das Kind hat Einschlafrobleme nach einem aufregenden Tag oder einem Tag ohne Pausen.
7. Es ist empfänglich für Stimmungen anderer, fühlt sich ein, wenn andere traurig oder krank sind. Es nimmt von sich aus Rücksicht auf andere.
8. Es ist sehr mitfühlend mit anderen Wesen (Menschen, Tieren, Pflanzen).
9. Harmonie ist dem Kind überaus wichtig. Bei Konflikten vermittelt es, oder zieht sich zurück.
10. Das Kind hat Selbstzweifel und reagiert empfindlich bei Kritik.
11. Das Kind ist in bestimmten Bereichen perfektionistisch.
12. Es braucht längere Zeit, um sich auf neue Situationen einlassen zu können.
13. Das Kind ist eher schüchtern und zurückhaltend und zieht sich manchmal vor anderen zurück.
14. Das Kind neigt zu psychosomatischen Beschwerden wie Kopfweh, Bauchweh, Übelkeit, Entzündungen und besonders häufige Infekte.
15. Das Kind hat manchmal Zustände plötzlicher Schwäche, Konzentrationsschwäche, Heißhungerattacken.
16. Es fühlt sich manchmal anders als gleichaltrige Kinder.
17. Das Kind stellt tiefgründige Fragen.
18. Es hat ein feinsinniges Gespür für Humor und Witz.
19. Das Kind bemerkt selbst kleinere Details in seiner Umgebung, die verändert wurden.
20. Das Kind spielt gern auch einmal allein. Es erlebt sein Spiel intensiv und geht darin auf.
21. Das Kind ist sehr kreativ. Musik und Rhythmus spielten für das Kind schon früh eine Rolle.
22. Das Kind kann sich im Spiel völlig vergessen und ganz in seiner Welt aufgehen.

Im Jugendalter kann sich die Hochsensibilität durch die Pubertät noch intensivieren. Hochsensible Teenager brauchen daher sehr viel Verständnis und Geduld von ihren Eltern. Manche hochsensiblen Kinder und Jugendliche sind zeitweise eher introvertiert und neigen dann dazu sich zurückziehen um alleine zu sein.

Ist Hochsensibilität vererbbar?

Hochsensible Kinder haben oft hochsensible Eltern: Fast zwei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland sind hochsensibel. Zwillingsstudien zeigen, dass sie diese Fähigkeit wahrscheinlich, von ihren Eltern oder Großeltern geerbt haben. Gerade Eltern, die selbst hochsensibel sind, versuchen oft ihr Kind vor der Außenwelt zu bewahren, tun ihm damit aber keinen Gefallen. Neben dem Ausgleich der Überreizung ist es nämlich auch wichtig, dass das Kind lernt, schwierige Situationen auch manchmal auszuhalten.

Hilfe und Unterstützung für zarte und starke Kinder

Hochsensibilität ist eine Gabe! Hochsensible Kinder haben wunderbare Fähigkeiten und Talente. Dies zu bemerken und die Besonderheit des Kindes wertschätzend anzuerkennen, ist vielleicht das Beste, was man dem Kind mitgeben kann. Wenn das Umfeld – die Familie, Kita oder Schule – die Bedürfnisse der hochsensiblen Kinder erkennt, anstatt ihr Anderssein zu hinterfragen oder zu kritisieren ist ein erster Schritt getan.

Kleine, einfache Veränderungen der Lebensgewohnheiten, zum Beispiel ein strukturierter Tagesablauf mit Rückzugsmöglichkeiten, ein reizreduzierte Umgebung usw. können Erleichterung schaffen. Zudem kann ein frühzeitiges Training zur Stressbewältigung sehr hilfreich sein. Dann können die Kinder lernen die besonderen Begabungen, ihre Ressourcen und ihre Fähigkeiten kennenzulernen, anzunehmen und mit ihnen umzugehen. Dadurch wird es ihnen ermöglicht, schon früh zu erkennen, dass sie gerade durch ihre Besonderheit besonders wertvoll für ihre Umwelt und die Gesellschaft sind. Siehe auch ‚schwierige Kinder‘ und Eltercoaching.

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