Patchwork Familie

„Eine Patchworkfamilie ist etwas ganz anderes als eine klassische Familie. Das klingt banal, aber oft merken es die Beteiligten erst, wenn sie an ihren Vorstellungen, wie die Familie sein soll, scheitern.“

Als wäre das Gelingen einer Paarbeziehung zwischen Frau und Mann nicht schon Aufgabe genug, sind heute aufgrund der hohen Scheidungsrate immer mehr Familien mit der Herausforderungen Patchworkfamilie konfrontiert. Der Traum der „heilen“ Familie ist zerplatzt. Für die Kinder bricht oft eine Welt zusammen. Kinder, wie auch die Erwachsenen haben Trennungen zu verkraften und Trauerarbeit zu leisten!

Patchworkfamilien unterliegen eigenen Gesetzmäßigkeiten

Patchworkfamilien zerbrechen Statistiken zu Folge öfter als Kernfamilien. Sie müssen große Herausforderungen bewältigen: Vergangenheits- und Trauerbewältigung, Umzüge, Konkurrenz, Eifersucht, Loyalitätskonflikte …

Die  Patchworkfamilie  ist  nach  wie  vor  eine  relativ  neue  Lebensform und es gibt erst wenig funktionierende Vorbilder, an denen Eltern und Kinder sich orientieren können.  Jede Patchworkfamilie muss daher ihren eigenen Weg finden, um mit der neuen Situation zurecht zu kommen.

Ein häufiges Problem besteht darin, dass die Einbeziehung der Kinder bei der Gründung der Patchworkfamilie vernachlässigt wird. Oft nehmen Erwachsene an, lediglich sie müssten sich über die Gründung der Familie einig sein. Dabei wird vergessen, die Kinder im Vorfeld über die Pläne zu informieren und sich ihre möglichen Sorgen und Ängste anzuhören, diese ernst zu nehmen, zu begleiten und aufzufangen.

Für Kinder bedeutet es häufig nun in mehreren Haushalten Familie zu leben und dadurch zwischen unterschiedlichen sozialen Welten zu pendeln. Dabei werden sie mit verschiedenen  Lebensstilen, Erziehungsmustern, Gewohnheiten und Werten konfrontiert. Siehe auch… Elterncoaching

Für den neu hinzukommenden (Stief-) Elterteil gibt es zudem keine Rollenvorbilder. Daher wird oft in bester Absicht auf das klassische Rollenmuster zurückgegriffen, mit dem man oft unbewusst in Konkurrenz zum leiblichen Elternteil geht,  was zu vielfältigen Problemen und Enttäuschungen auf allen Seiten führen kann. Der neue Partner sollte niemals versuchen, den leiblichen Elternteil zu ersetzen!

Eltern und Stiefeltern, die nun gemeinsam für die Kinder zuständig sind, müssen sich arrangieren, absprechen und miteinander auskommen. Viel Reife, Toleranz, Liebe, Flexibilität und Organisationstalent sind da gefragt bzw. müssen entwickelt werden.

Systemische Sichtweise

Damit eine solche Patchwork Konstellation eine Chance hat, ist es wichtig, grundlegende systemische Prinzipien zu beachten, wie z.B.:

Eltern werden immer Eltern bleiben. Sie sind nicht einfach austauschbar!

Kinder brauchen beide Elternteile! Sie haben immer eine tiefe Sehnsucht nach beiden Elternteilen! Sie sind wie Seismographen für die Gefühle und Bewertungen der Erwachsenen. Kinder leiden enorm, wenn Ihre Eltern schlecht voneinander denken, sprechen oder sie sogar zu einem Elternteil keinen Kontakt haben dürfen. An der Oberfläche zeigt sich das in verschiedensten Störungen beim Kind und im Familiensystem.

• Auch das getrennt lebende Elternteil der Kinder und dessen Familie gehört zum System und verdienen eine gewisse Achtung und Respekt von allen Beteiligten. Eine Patchworkfamilie ist immer größer als der Familienhaushalt. Der getrennt lebende Elternteil und dessen Familie gehören für die Kinder und damit auch für das neue Paar immer mit dazu.

Familienaufstellungen

Ergänzend zu Coaching Gesprächen ist Systemisches Familienstellen eine hochwirksame Methode, um Schwierigkeiten im Familiensystem aufzulösen. Belastende Situationen in Patchwork Familien, die durch verworrene Beziehungen der Familienmitglieder entstehen, können in Aufstellungen angeschaut und verstanden, geachtet und geordnet werden.

Dieses so entwickelte Lösungsbild kann sich oft erstaunlich schnell positiv auf die reale Familiensituation auswirken. Ein großer Vorteil von systemischen Familienaufstellungen ist der, dass es für diese Arbeit nur ein oder zwei erwachsene Familienmitglieder mit klar formuliertem Anliegen braucht.

Sätze wie: „Du bist nicht schuld!“/ „Dass Mama und Papa sich trennen, ist alleine unsere Sache.“ / „Du bist und bleibst unser Kind.“/„Du darfst die Mama (den Papa) genauso haben, wie du mich haben darfst.“, können eine große Hilfe für die Kinder in Scheidungssituationen sein.

Chancen für Patchworkfamilien

Es ist klar, dass jedes familiäre System einzigartig, also auch ganz individuell zu betrachten ist und es so etwas wie allgemein gültige Konfliktlösungen für diese Form der Lebensgemeinschaft nicht gibt.

Kinder und auch die Erwachsenen müssen ihre Verluste angemessen betrauern dürfen. Die neue Patchworkfamilie muss langsam zusammenwachsen. Das ist stets ein Prozess, der in vielen Fällen Jahre dauert: Vieles muss sich erst neu entwickeln.

Die wichtigste Voraussetzung für das Gelingen einer Patchworkfamilie ist die Befähigung der Beteiligten, sich in den anderen hineinzuversetzen, so dass jedes Mitglied die Handlungen und Reaktionsweisen der anderen Beteiligten nachvollziehen lernt. Wer sich in andere einfühlen und deren Handeln verstehen kann, beharrt weniger auf seiner eigenen Sichtweise und reagiert verständnisvoller und flexibler.

Wichtig für alle ist es zu erkennen, dass eine Patchwork-Familie grundsätzlich anders konstituiert ist als eine traditionelle Kernfamilie. Wenn nicht angestrebt wird, wie eine Kernfamilie zu funktionieren bzw. diese nachzubilden, sondern der Sonderstatus anerkannt wird,  hat die Patchworkfamilie eine gute Chance.

Es gibt also Lösungen und alle Beteiligten können an der Situation wachsen, wenn sie bereit sind zu lieben, zu lernen, zu verzeihen und aufeinander zu zu gehen.

Patchwork Coaching / Patchwork Beratung / Patchwork Familienstellen

Es gibt viele Konfliktpotentiale innerhalb von Patchworkfamilien. Gerne würde ich Sie in der  Beratung bei der Neuorientierung unterstützen. Das Familienstellen mit Figuren kann helfen,  die oft unklaren und komplexen Strukturen sichtbar zu machen.

Eine Patchworkfamilie braucht im Durchschnitt 5 Jahre um zusammen zu wachsen. Daher ist es sinnvoll sich –  im Idealfall schon im Vorfeld –  Beratung und Hilfe zu holen,  um gewisse Fehler gar nicht erst machen zu müssen. Aber auch später ist es oft sehr hilfreich sich in einem neutralem Umfeld mit der Situation auseinander zu setzen und sich Rat zu holen.

Je einfühlsamer und kooperativer sich Patchworkeltern auf den individuellen Gestaltungsprozess einlassen, umso besser finden sich die Kinder in dieser Situation zurecht. Siehe auch… Elterncoaching

 

Für weitere Fragen schreiben Sie mir eine E-Mail oder rufen Sie mich gerne an. Bitte vereinbaren Sie einen Termin unter… Kontaktaufnahme

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