Hyperventilation

Hyperventilation und Panikattacken haben einen engen Zusammenhang

Wenn wir Angst haben und innerlich angespannt oder erregt sind nimmt unsere Atemfrequenz zu. Unser Nervensystem bereitet und auf Kampf oder Flucht vor. Dies nennt man Hyperventilation. Hyperventilation ist weit verbreitet. Die Betroffenen wissen meist gar nicht, dass sie ab und zu oder dauerhaft hyperventilieren und dass darauf viele ihrer Beschwerden zurückzuführen sind. Zu den Beschwerden gehören z.B. Kribbeln, Schwindel, Kurzatmigkeit, sowie Angst und Panik.

„Hyperventilation ist uns meist nicht bewusst, weil wir nichts anderes mehr kennen. Sie beginnt als „Angstatmung“ und wird später zur Gewohnheit.“

Was ist Hyperventilation?

Man unterscheidet zwei Arten der Hyperventilation:

  • das akute Hyperventilationssyndrom, das anfallsartig auftritt und mit Muskelkrämpfen einhergeht und
  • das chronische Hyperventilationssyndrom, welches auch mit akuten Anfällen einhergehen kann.

Beide Arten kommen oft gemeinsam vor.

Akute Hyperventilation – unangenehm aber harmlos

Eine Hyperventilation ist eine Störung der Atemregulation. Es kommt es zu verstärkter Atmung (häufiger oder tiefer). Stress und starke Emotionen wie Erregung, Wut, Angst und Panik z.B. können zu einer beschleunigten oder vertieften Atmung führen. In den meisten Fällen liegen der Hyperventilation psychische Ursachen oder ein Trauma / Entwicklungstrauma zugrunde.

Die Lunge atmet zu viel Kohlendioxid ab und erhöht so den pH-Wert des Bluts. Dadurch binden Eiweiße im Blut verstärkt freies Kalzium. Die Konzentration an freiem Kalzium im Blut sinkt und es kann zu Muskelverkrampfungen, Kribbeln in den Lippen, Händen oder Füßen, Taubheitsgefühl, Angst, Aufregung, Schwindel, Konzentrationsstörungen und leichte Bewusstseinstrübungenkommen.

Das verstärkt wiederum die Angst. Ein Teufelskreis entsteht, der dem Betroffenen selbst jedoch nicht bewußt ist.

Nächtliche Hyperventilation

Die Nachtruhe ist normalerweise die Zeit der Entspannung, in der wir mental abschalten und schlafen. Nächtliche Panikattacken sind dennoch nicht ungewöhnlich.

Im Alltag treten Ängste oft in den Hintergrund oder werden unbewusst verdrängt, tauchen aber, wenn alle Ablenkung verschwunden ist, mit voller Wucht wieder auf. Oft kommt es dann zu Hyperventilation, beim Einschlafen oder auch aus dem Schlaf heraus, wenn die Selbstkontrolle nachlässt.

Chronische Hyperventilation – begünstigt akute Hyperventilation

Bei der chronischen Hyperventilation atmen die Betroffenen dauerhaft schneller und/oder tiefer als es den körperlichen Bedürfnissen entspricht und sind sich dessen normalerweise überhaupt nicht bewusst.

Eine verstärkte Atmung über einen längeren Zeitraum (chronische Hyperventilation oder Überatmung) bringt den den Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht. Dies liegt vor allem an dem durch das „Überatmen“ verursachten Verlust des Kohlendioxids im Blut.

Je geringer der Anteil des Kohlendioxyds im Blut wird, desto schlechter trennt sich der Sauerstoff von seinem Träger, dem Hämoglobin. Hierdurch steht den Zellen letztlich weniger Sauerstoff zur Verfügung. Dies ist der sogenannte »Bohr-Effekt«. Wir empfinden ein Gefühl von Atemnot und/oder Kurzatmigkeit.

Der CO2 Spiegel ist dauerhaft erniedrigt und der Körper reagiert sehr empfindlich auf jede weitere Abatmung von CO2.

Wenn wir hyperventilieren nutzen wir oft die Brustmuskeln zur Atmung, anstatt das Zwerchfell. Häufig ist Hyperventilation zudem mit Mundatmung verbunden, denn durch den offenen Mund kann man schneller nach Luft schnappen als durch die Nase.

Symptome der chronischen Hyperventilation – falscher Erstickungsalarm

Bei den Betroffenen kommt es zu einer Überatmung, die ihnen nicht bewusst ist. Sie klagen dennoch über starke Luftnot, den Zwang, tief einatmen zu müssen und ein Engegefühl über der Brust. Weitere mögliche Symptome können sein:

  • Gefühl der Luftnot, des Nicht-Durchatmen-Könnens
  • Kurzatmigkeit beim Sprechen, Treppensteigen … Schnappatmung
  • Engegefühl in der Brust bis zu Brustschmerzen
  • vermehrtes Gähnen , säufzen, Reizhusten
  • Gefühllosigkeit und Missempfindungen wie „Ameisenlaufen“
  • Verkrampfungen der Hände und Lippen
  • Zittern und Muskelzuckungen
  • Schwindel, Benommenheit und Unwirklichkeitsgefühl. teilweise bis zur Synkope (plötzlicher Ohnmacht). Siehe Video: … Chronische Hyperventilation und die Folgen
  • Angst vor Kontrollverlust
  • Herzklopfen, Herzstechen sowie zusätzlichen Herzschläge
  • Verdauungsproblemen (Aufstoßen, Blähungen, Schluckstörungen, Reizdarmsyndrom)
  • Müdigkeit, Schlappheit, Erschöpfung und Schläfrigkeit
  • Ruhelosigkeit, Nervosität, Ängstlichkeit, vermindertes Selbstwertgefühl
  • Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit und Verwirrungsgefühl
  • Angespanntheit, Angstgefühle oder depressive Symptomatik
  • Panikstörungen (Panikattacken)
  • uvm.

Warum ist die chronische Hyperventilation schwer zu diagnostizieren?

Es ist für den Patienten schwer zu glauben, dass er möglicherweise zu viel Luft einatmet. Was er bemerkt, ist eher, dass er zu flach atmet, die Luft teilweise sogar anhält, eine verstopfte Nase hat, vermehrt seuftst oder gähnt.

Gerade Menschen, die Entspannungstechniken erlernt haben, habe sich antrainiert nicht nur tief in den Bauch, sondern fälschlicherweise zuviel Luft ein- und auszuatmen. Sie atmen oft nicht einmal zu schnell, sondern lediglich zu tief.

Behandlung von akuter und chronischer Hyperventilation

Akute Hyperventilation – Behandlung

Im Vordergrund der Behandlung von wiederkehrender akuter Hyperventilation steht eine Beruhigung des Betroffenen mit der Anleitung zu bewusst langsamer und verminderter Atmung.

Wenn dies in einem akuten Anfall aufgrund von Angst und Erregung zunächst nicht möglich ist, als erste Hilfe ist eine Rückatmung (in die eigenen Hände oder eine Plastik- oder Papiertüte) angezeigt. Durch das mehrmalige Ein- und Ausatmen der eigenen kohlenstoffdioxidhaltigen Atemluft steigt die CO2-Konzentration im Blut  wieder an und die körperlichen Funktionen normalisieren sich wieder.

Wird das Hyperventilationssyndrom erst einmal erkannt, hat dies alleine einen sehr beruhigenden und entängstigenden Effekt. Komplexe Zusammenhänge werden klar und eine Therapie wird möglich. Ein Coaching zur Löung ungelöster Konflikte und Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannungen sind begleitend oft angezeigt und sehr hilfreich.

Chronische Hyperventilation / Hyperventilationssyndrom – Das Atemzentrum umtrainieren

Das chronische Hyperventilationssyndrom wird hauptsächlich durch psychotherapeutische Behandlung sowie mit Atemtherapie (z.B. die Buteyko-Methode) und Entspannungsverfahren behandelt.

Achtsamkeitsübungen und ein Körperbewusstseinstraining sind oft zunächst einmal die Voraussetzung, dass der Patient in der Lage ist, seine chronische Hyperventilation überhaupt zu bemerken und hilft gleichzeitig dabei gegenzusteuern.

Bei der Therapie geht es um eine Neujustierung des Atemzentrums im Gehirn, die schrittweise erfolgt. Ziel ist es immer sanfter, leichter, entspannter und weicher zu atmen und dass sich der Körper langsam daran gewöhnt, mit weniger Luft auszukommen. Dadurch wird der  Einatmungsreflex seltener auslöst und wir atmen somit permanent weniger.

Bedingung für eine dauerhafte Normalisierung der Atmung ist, dass der Patient zuhause über einen gewissen Zeitraum regelmäßige Achtsamkeits- Atem- und Entspannungsübungen ausführt.

 

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